Ballade von den Briefmarken

Rasend sehnte Emil Rutschke
sich nach Rosalindes Küssen,
aber Rosalinde Zutschke
wollte gar nichts davon wissen.Emil Rutschke litt unsäglich
unter seiner Sehnsucht Tiefe,
und er schrieb der Schönen täglich
glühendheiße Liebesbriefe.Alles Flehen, alles Warten,
alle Mühe blieb verloren,
Täglich schrieb sie Antwortkarten:
"Lassen Sie mich ungeschoren!"Nein, sie ließ sich nicht erweichen!
Drum als Trost in seinem Leide
küsst er ihre Postwertzeichen
hinten auf der Klebeseite.Und er schrieb der Stolzen, Starken:
"D e n n o c h deine Lieb mir leuchtet!
Täglich küsse ich die Marken,
die dein holder Mund befeuchtet!"Als die Spröde dies vernommen,
da ersann sie neuen Schrecken,
und sie ließ ihr H ü n d c h e n kommen
und von ihm die Marken lecken.Weil er das nicht wissen kunnte,
- ach, ach, ach - es ist enorm! -
ging der arme Mensch zugrunde,
- ach, ach, ach - am Hundeworm!Wenn dich dieser Fall erschreckt hat,
hüte künftig deine Zunge,
denn du weißt ja nicht, mein Junge,
wer am Leim zuerst geleckt hat!

Albert Sixtus


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Ersterscheinung: April 2001



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